Eine der beiden Referentinnen des Female Leadership Experience-Workshops, Sabine Agath, Personalleiterin der Kremser Bank und Sparkassen AG sowie der Sparkasse Herzogenburg-Neulengbach Bank AG hat mit uns im Interview über die Herausforderungen weiblicher Führungskräfte, die Bedeutung von Selbstreflexion und darüber gesprochen, warum gute Führung nicht davon abhängt, einem bestimmten Rollenbild zu entsprechen.
Im Vorfeld der „Female Leadership Experience“ stellen wir Sabine Agath und ihre Perspektiven auf weibliche Führung vor. Für sie geht es im Workshop vor allem darum, Frauen zu ermutigen, ihren eigenen Führungsstil zu entwickeln – und den Mut zu haben, ihn auch zu leben.
Welchen Herausforderungen sehen sich weibliche Führungskräfte häufig gegenüber?
Ich erlebe bei vielen Frauen einen sehr hohen Anspruch an sich selbst. Sie wollen fachlich überzeugen, gute Führungskräfte sein und gleichzeitig möglichst allen Anforderungen gerecht werden. Dazu kommen Rahmenbedingungen, in denen unsere Vorstellungen von Führung über viele Jahre stark männlich geprägt wurden.
Ich bin davon überzeugt, dass Frauen dieses Führungsverhalten nicht übernehmen müssen, um erfolgreich zu sein. Viel wichtiger finde ich, den eigenen Weg zu finden und sich auch zuzutrauen, Führung anders zu gestalten.
Natürlich spielen auch Vereinbarkeit und Mental Load weiterhin eine Rolle. Viele Frauen übernehmen neben ihrer Führungsrolle im Beruf auch privat einen großen Teil der Verantwortung. Und obwohl sich hier viel verändert hat, erleben wir immer noch, dass Führung mit Teilzeit oder familiären Verpflichtungen anders bewertet wird. Ich glaube, wir brauchen ein selbstverständlicheres Verständnis davon, dass gute Führung nicht davon abhängt, wie viele Stunden jemand im Büro verbringt.
Warum lohnt sich die Teilnahme am Workshop „Female Leadership Experience“?
Weil wir uns einen ganzen Tag lang Zeit für eine Frage nehmen, die im Führungsalltag oft viel zu kurz kommt: Wie möchte ich eigentlich führen?
Wir beschäftigen uns bewusst mit uns selbst, unserer Führungsrolle, unseren Ressourcen und unseren Möglichkeiten. Und wir tun das gemeinsam mit anderen Frauen, die Führung aus ihrem eigenen Alltag kennen.
Für mich macht genau das die Qualität dieses Tages aus: Erfahrungen teilen, voneinander lernen, andere Perspektiven kennenlernen und dabei einmal nichts beweisen oder leisten müssen.
Es geht an diesem Tag um uns und darum, wie wir Führung auf unsere eigene Art gestalten wollen.
Was ist Ihnen in Ihrem Alltag als Führungspersönlichkeit wichtig?
Für mich kommt Selbstführung vor Mitarbeiterführung. Ich kann andere auf Dauer nur gut führen, wenn ich mich selbst kenne: Was brauche ich? Wofür stehe ich? Was kann ich gut? Wo liegen meine Grenzen? Und wohin möchte ich?
Dafür muss ich mich manchmal ganz bewusst aus dem operativen Alltag herausnehmen. Das ist bei einem vollen Kalender nicht immer einfach. Aber genau diese Zeit brauche ich, um nicht nur zu funktionieren, sondern Führung auch wirklich zu gestalten.
Zur Selbstführung gehört auch Selbstvertrauen. Vertrauen in das, was gelungen ist, genauso wie die Bereitschaft, aus Dingen zu lernen, die nicht funktioniert haben.
Und ich erlaube mir heute viel mehr, Dinge einfach auszuprobieren und meine Meinung klar zu vertreten – auch wenn andere es anders sehen. Ich muss als Führungskraft nicht immer die richtige Antwort haben. Aber ich sollte wissen, wofür ich stehe und wohin ich möchte – und dann auch den Mut haben, danach zu handeln.
Wie würden Sie Ihren individuellen Führungsstil beschreiben?
Wertschätzend, fördernd und fordernd.
Ich möchte Menschen Raum geben, sich zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig gehören für mich klare Erwartungen und das Einfordern von Verantwortung genauso dazu.
Klare Kommunikation und transparente Abläufe sind mir ebenfalls wichtig. Meine Mitarbeiterinnen sollen verstehen, was wir erreichen wollen und welchen Beitrag sie selbst dazu leisten. Ich glaube, dass Verantwortung viel leichter übernommen wird, wenn man das große Ganze versteht.
Welche persönlichen Learnings möchten Sie gerne mit den Teilnehmerinnen teilen?
Vertraue darauf, was du selbst für richtig und gut hältst – auch wenn es einmal anders ist als das, was rundherum erwartet wird.
Das ist für mich eines der wichtigsten Learnings aus meiner eigenen Führungserfahrung. Wir müssen nicht einem bestimmten Bild von Führung entsprechen. Wir dürfen Dinge ausprobieren, Entscheidungen treffen, erfolgreich sein und auch einmal scheitern.
Mit der Zeit entsteht daraus etwas sehr Wertvolles: Vertrauen in die eigene Führung und in die eigenen Entscheidungen.
Und genau dazu möchte ich die Teilnehmerinnen ermutigen: herauszufinden, wie sie selbst führen möchten – und sich dann auch zuzutrauen, diesen eigenen Weg zu gehen.
Sie möchten bei der Female Leadership Experience dabei sein?
Alle Informationen zum Workshop und zur Anmeldung finden Sie hier: Female Leadership Experience