Digitale Finanzierung: drei Klicks statt Canossagang

16. Mai 2018

Kredite an Kommunen und Unternehmen gehören zu den profitabelsten Geschäften für die Banken hierzulande. Just in diesem Bereich bahnt sich eine entscheidende Änderung der Vertriebsoptionen an.

Denn – von der Öffentlichkeit kaum beachtet – hat das Schweizer Fintech Loanboox seinen Marktstart in Österreich für diesen Frühsommer angekündigt. Das Unternehmen bietet Kommunen (jetzt schon) und Unternehmen (in Zukunft) die Möglichkeit, Finanzierungsanfragen online freizuschalten. Die Angabe von Laufzeit, Volumen und Angebotsfrist reichen und schon haben hunderte institutionelle Anleger die Option, ein Offert zu legen. Der Kunde muss dafür seinen Schreibtisch nicht verlassen und schon gar nicht zu seiner Hausbank pilgern.

Auf seiner Plattform bringt Loanboox die Gemeinden als Kreditnehmer mit institutionellen Kapitalgebern, wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen zusammen. Diese können mit wenigen Klicks eine Kreditanfrage erstellen und eine Vielzahl von Investoren ansprechen. Nicht nur die Preise, sondern auch die jeweiligen Vertragsparameter können miteinander verglichen werden. Hohe Transparenz und standardisierte Dokumente führen zu Schnelligkeit, Transparenz und besseren Konditionen dank höherem Wettbewerb.

Eineinhalb Jahre nach der Gründung hat Loanboox derart ein Volumen von mehr als 10 Milliarden Schweizer Franken vermittelt. Österreich ist nach der Schweiz und Deutschland der dritte Markt. Hier kooperiert man mit kommunalnet.at.

Für die Banken ist die Nachricht ein zweischneidiges Schwert. Zum einen besteht die Gefahr, Bestandskunden zu verlieren, zum anderen kann man Loanboox, oder vergleichbare Plattformen wie etwa Firstwire aus Köln, auch als neuen Vertriebsarm sehen. Dort können Angebote für potenzielle Kunden gelegt werden, die man ansonsten niemals erreicht hätte. Aber wie überall, wo mehr Transparenz einkehrt, wird der Wettbewerb stärker und setzen sich eher die Hechte als die Karpfen durch. Die neuen Plattformen reduzieren zwar die Marge, senken aber auch Akquisekosten.

„Wir starten bei einer halben Million Euro und nach oben hin gibt es keinen Deckel. Im Schnitt bewegen wir uns bei 10 Millionen, und von sechs Tagen bis zu 30 Jahren wurde bereits alles angefragt“, erklärt Martina Bühler, Head of Marketing and Communications.

Kosten für die Plattformen fallen je Transaktion an. Kommt eine Finanzierung zustande, verrechnet Loanboox dem Kreditnehmer auf dem abgeschlossenen Volumen einen Basispunkt pro Laufzeitjahr. Für Kapitalgeber ist die Transaktion kostenlos.

Loanboox ist ein Paradebeispiel für die digitale Optimierung von Prozessen. Dieses Model bleibt ganz sicherlich nicht auf den Bereich der Kommunal- und Unternehmensfinanzierung beschränkt.

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