Die fünf wichtigsten Trends zur Zukunft der Finanzbranche

7. September 2017

Die Ergebnisse des "Branchenkompass 2017" von Sopra Steria Consulting und F.A.Z.-Institut sprechen eine klare Sprache: 70% der Banken und Sparkassen in Deutschland halten ihr aktuelles Geschäftsmodell für nicht zukunftstauglich.

Mehr Digitalisierung, besserer Service und Kostensenkung sind die Schlagworte mit Zukunftsmusik.

Sieben von zehn Finanzinstitute wollen ihr Geschäftsmodell massiv umbauen. Verzahnung der Vertriebskanäle, konkurrenzfähige digitale Produkte, automatisierte Prozesse zur Kostenreduktion sind ebenso Ziele wie eine höhere Beratungsqualität, um sich von Mitbewerbern abzugrenzen. Das ist das Ergebnis des Branchenkompass Banking 2017 von Sopra Steria und F.A.Z.-Institut.

Der strategische Umbau der Branche lässt sich kaum vermeiden: Trotz 1,9 Prozent Wachstum des BIP im Jahr 2016 und positiven Prognosen für 2017 können die Banken von diesen Effekten nicht profitieren. Mit Krediten und Einlagen ist kaum noch ein profitables Geschäft zu machen. Dazu kommt, dass Vorschriften wie PSD 2, MiFID II und DSGVO Unmengen an Ressourcen verschlingen. Was klassische Finanzinstitute zudem massiv umtreibt:  Digitale Wettbewerber gewinnen zunehmend an Bedeutung. "Die Entscheider erkennen, dass sich die äußeren Bedingungen nicht bessern. Die Banken werden deshalb in den kommenden drei Jahren eine Menge in den Aufbau einer neuen Zukunft investieren", sagt Stefan Lamprecht, Division Director Banking von Sopra Steria Consulting und Gast beim Banken-Symposium Wachau vergangenen Mai (siehe Bild).

 

Gemäß Studie sind die folgenden fünf Themen zentral für die Zukunft der Kreditinstitute

#1: Kooperationswelle mit Fintechs

Die Zukunft ist digital! Dennoch verfolgen erst 82% der Institute eine Digitalisierungsstrategie. Mit Teilprojekten wird gestartet, in eigene Digi-Labs investiert. Die Herausforderung der Fintechs wird von Banken angenommen, wobei man hier auf Kooperation statt Konfrontation setzt. Mehr als die Hälfte der Institute gehen eine Symbiose mit Fintechs ein (26%) oder haben ein Start-up gegründet (36%).

#2: Ausbau der eigenen digitalen Plattform

In den nächsten drei Jahren wollen knapp die Hälfte der befragten Banken die eigene Plattform ausbauen, um neue Kunden zu gewinnen und neue, auch bankferne Produkte anzubieten.

#3: Digital Payment

Hier sind Marktanteile verloren gegangen, die es zurück zu erobern gilt. Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken starteten das Zahlungssystem Paydirekt, das schon 2018 von deutlich mehr Onlinehändlern angeboten werden soll.

#4: Kostensenkung durch Automatisierung

Zu viele Menschen vergeuden ihre Zeit mit Routinetätigkeiten, anstatt mit ihrem Know-how die eigene Bank voran zu bringen. Eine moderne IT-Landschaft soll zudem Medienbrüche vermeiden.

#5: Neue Geschäftsmodelle

Produkte und Dienstleistungen sollen angepasst werden, man will sich auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren. Steigende Eigenkapitalanforderungen seit Basel III oder die Überarbeitung des Kreditrisikostandards könnten eine stärkere Konzentration auf Firmenkundenkredite mit kleineren Volumina forcieren. Eine zu starke Fokussierung birgt allerdings das Risiko, individuelle Lösungen nicht ausreichend unterstützen zu können.

Summa summarum kann man feststellen, dass sich Optimismus in der Branche breitmacht. Endlich hat man wieder das Gefühl, selbst etwas tun zu können, man freut sich auf Innovationen. "Der Wille zur Veränderung ist in den Instituten spürbar. Es gibt wenig internen Protest und Widerstand gegen die digitalen Bauvorhaben der Banken", so Lamprecht von Sopra Steria Consulting.

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