Schweizer Fintech erfindet Bargeldbezug neu

12. April 2017

Zu den vielen Herausforderungen, mit denen sich Banken und ihre Kunden aktuell herumschlagen müssen, gehört sicherlich auch die Frage des Bargeldbezugs, denn trotz gegenteiliger Prognosen, bezahlen die Menschen nach wie vor sehr gerne mit Cash. Im städtischen Raum ist das für die Verbraucher kein Problem, da ausreichend Geldautomaten zur Verfügung stehen, jedoch ist der „Bankomat“ bei den Banken selber nur sehr bedingt beliebt. Zum einen kostet er mehr, als er bringt und zum anderen taugt er kaum als „Point of Sale“. 

Im ländlichen Raum ist es mittlerweile schon wirklich schwierig, an Bargeld zu kommen. Häufig sind es wenig mobile Senioren oder Touristen an schönen aber entlegenen Gegenden, die damit ihre liebe Not haben. Wo es zumeist keine Banken mehr gibt, gibt es in der Regel auch keine Chance auf Bargeldbezug mehr. 

Geht es nach dem Zürcher Startup Sonect, wird man künftig keinen Geldautomaten mehr brauchen. Das Unternehmen arbeitet an einer App, mit der man künftig sein Bargeld per Smartphone um's Eck im Supermarkt, beim Kiosk oder in der Bäckerei beziehen kann. Basis dafür ist die europäische Zahlungsdienste-Richtline PSD 2 (in Österreich unter „ZaDiG 2“ bekannt), das Banken künftig verpflichtet, ihre Schnittstellen im Bereich Zahlungsverkehr für externe Anbieter zu öffnen, damit diese Kundenzahlungen auslösen können. Diese Richtlinie ist in den Mitgliedsstaaten bis Jänner 2018 umzusetzen. 

Für seinen Plan hat Sonect den Lead-Investor Postfinance und eine Finanzierung durch Fintech-Angels des Swiss ICT Investor Clubs gewonnen. Bereits im April soll in Winterthur und Zürich eine erste Pilotphase starten. In ausgewählten Shops kann man dann mit dem Handy Bargeld beziehen. 

Dokumentation und Abwicklung erfolgen über die Blockchain-Technologie, also ohne zentrale Clearingstellen und stattdessen über einen Distributed Ledger. 

Profitieren sollen auch die Geschäftsbesitzer, die diesen Service nicht kostenlos anbieten müssen, sondern dafür eine Gebühr erhalten. Stellt sich letztlich die Frage, wie viel die Konsumenten bereit sind, dafür zu bezahlen. Setzt sich das durch, gehören Bankomaten und Bankomatkarten künftig der Vergangenheit an. 

Link: https://sonect.ch

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